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Vielfalt für die Biogasanlage - Feldtag Energiepflanzen

Dauerkulturen, Wildpflanzenmischungen oder doch einjährige Kulturen? Welche Pflanzen können zur Erzeugung von Biogas eingesetzt werden? Diese und weitere Fragen wurden am Tag der Energiepflanzenvielfalt am 22. Juni 2017 im Informations- und Demonstrationszentrum Energiepflanzenanbau am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum Almesbach diskutiert. Die Organisation und den fachlichen Input übernahmen die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) sowie das Technologie- und Förderzentrum (TFZ). Durch die Zusammenarbeit mit dem Fachverband Biogas e.V. wurden neben der Führung über die Schaufläche auch Fachvorträge angeboten.

Almesbach. Dass für die Energiegewinnung aus Pflanzen nicht nur Mais eingesetzt werden kann, ist auf der Anbaufläche in Almesbach eindrucksvoll zu sehen. Zwei Stunden lang standen die Wissenschaftlichen Mitarbeiter der genannten Forschungseinrichtungen den Landwirten, den Biogasanlagenbetreibern und der interessierten Öffentlichkeit für Fragen zur Verfügung. Almesbach ist einer von bayernweit neun Standorten des Projekts „Informations- und Demonstrationszentren Energiepflanzenanbau“. Neben klassischen Kulturen wie Mais und Getreide steht dort eine Vielfalt an neueren Energiepflanzen, wie die Durchwachsene Silphie oder das Riesenweizengras und verschiedene Wildpflanzenmischungen. „Um die Ertragsstabilität in der Biogassubstratproduktion langfristig aufrecht zu erhalten, kann Mais in Fruchtfolgen mit Getreide, Ackerfutter und unbekannteren Kulturen wie Buchweizen, Amarant und Quinoa gestellt werden,“ erklärte Maria Bär, LfL-Projektkoordinatorin für Biomasse. Sie wirken sich positiv auf den Boden aus und bieten der Insektenwelt Nahrung. Nach der Ernte werden die Pflanzen in Biogasanlagen vergoren und zu Strom und Wärme umgewandelt.

Am Nachmittag informierte Marion Wiesheu vom Fachverband Biogas e.V. über das am 1. Januar 2017 in Kraft getretene Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG 2017). Wichtig für Anlagenbetreiber ist es, dass sie nach Ablauf ihres Förderzeitraums nun aktiv am Markt in Form von Ausschreibungen teilnehmen müssen. Der gesetzlich festgelegte Mais-Deckel schreibt vor, dass maximal 50, später sogar nur 44 % Mais in der Biogasanlage eingesetzt werden dürfen, „so dass verschiedene Energiepflanzen, wie sie auf den Schauflächen gezeigt wurden, an Bedeutung gewinnen“, berichtete die Fachreferentin des Fachverbandes.

Ein vielfältiger Energiepflanzenanbau schützt Biogasanlagenbetreiber auch vor Risiken. „Um gute Erträge im Biogasbereich langfristig zu sichern, muss der Mais in abwechslungsreiche Fruchtfolgen gestellt werden. Getreide kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Über die Sortenwahl und unterschiedliche Anbausysteme wie Untersaat, Zwischenfrucht und Mischanbau lässt sich Getreide sowohl effizient als auch nachhaltig erzeugen“, sagte Dorothea Hoffmann von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).

Neben den aktiv für die energetische Verwertung angebauten Pflanzen spielen auch pflanzliche Reststoffe und Nebenprodukte aus der Landwirtschaft eine immer größere Rolle in der Biogaserzeugung. So stellt auch Maisstroh, das bei der Körnermaisproduktion anfällt, ein großes Potenzial für die Nutzung in Biogasanlagen dar. Einen Überblick über die Bergung, Lagerung und die Methanausbeuten des Maisstrohs gab Stefan Thurner von der Landesanstalt für Landwirtschaft. „Mit dem beim Körnermais anfallenden Maisstroh können rund 0,2 - 0,25 ha Silomais ersetzt werden“
, so Thurner.

Zum Abschluss erklärte der Leiter des Lehr-, Versuchs- und Fachzentrums Almesbach, Helmut Konrad, das Energiekonzept des Standortes - ein Zusammenspiel verschiedener Erneuerbarer Energiesysteme, um den Eigenbedarf an Strom und Wärme der Forschungseinrichtung zu decken. Neben einer PV-Anlage wird auch eine Güllekleinanlage an der Einrichtung betrieben. Überschüssiger Strom aus der PV-Anlage kann in einem Batteriespeichersystem gespeichert werden. Auch der Fuhrpark der Forschungseinrichtung hat sich schon angepasst, es gibt erste Elektrofahrzeuge. „Eine spannende Sache“, fasst Konrad zusammen.

Kurzinfo zum LfL-Projekt Informations- und Demonstrationszentren Energiepflanzenanbau
Seit vielen Jahren laufen an den bayerischen Forschungseinrichtungen Versuche zu Energiepflanzen. 2013 haben sich drei Einrichtungen entschieden, ihre Ergebnisse zu bündeln und in anschaulicher Form der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Dadurch ist das Projekt „Informations- und Demonstrationszentrum Energiepflanzenanbau“, welches durch die Arbeitsgruppe Biomasse an der LfL koordiniert wird, entstanden. Im Zuge dessen wurden bayernweit neun Standorte an öffentlichen, landwirtschaftlichen Einrichtungen etabliert, die eine Vielfalt an Energiepflanzen demonstrieren.

Projektbeteiligte Forschungseinrichtungen sind:
  • Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) Freising
  • Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim
  • Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) Straubing

Kurzinfo Fachverband Biogas e.V.


Der Fachverband Biogas e.V. vertritt die Biogasbranche im Dachverband der Erneuerbaren Energien, dem Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) e.V. Mit rund 4.900 Mitgliedern ist er Europas größte Interessenvertretung der Biogasbranche. Der Fachverband Biogas e.V. setzt sich bundesweit ein für Hersteller und Anlagenbauer sowie landwirtschaftliche und industrielle Biogasanlagenbetreiber.
Fachverband Biogas e.V.
Andrea Horbelt
Pressesprecherin
Tel. 0 81 61/98 46 63
Mail: andrea.horbelt@biogas.org
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
Maria Bär
Projektkoordinatorin
Tel.: 08161 71 4487
Mail: Maria.Baer@LfL.Bayern.de