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Potenzial von Biogas noch lange nicht ausgeschöpft

Hannover.

+++ Fachverband Biogas e.V. zieht erste Bilanz zum EEG 2017 +++ Klimarelevante Maßnahmen müssen finanziell honoriert werden +++ Kooperation zwischen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Fachverband Biogas wird fortgeführt +++ Englischsprachige Broschüre zu Sicherheit auf Biogasanlagen erschienen +++

Auf der Pressekonferenz im Rahmen der 26. Jahrestagung des Fachverbandes Biogas, der BIOGAS Convention, die erstmals parallel zur EnergyDecentral und Eurotier in Hannover stattfindet, hat der Verbandspräsident Horst Seide eine erste Bilanz des EEG 2017 gezogen. Das im Frühsommer dieses Jahres novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz stelle die Branche vor große Herausforderungen, biete andererseits aber auch endlich wieder eine Perspektive, speziell für die rund 9.000 bestehenden Biogasanlagen in Deutschland – so das Fazit, anderthalb Monate vor dem eigentlichen In-Kraft-Treten des Gesetzes.

„Zur 25. Tagung des Fachverbandes im Februar dieses Jahres waren die Erwartungen und damit auch die Stimmung unter den Biogas-Akteuren deutlich getrübter als heute“, sagte Horst Seide. Einen Grund zum Jubeln gäbe es allerdings auch nicht. Bis zum Ende dieses Jahres werden circa 150 Biogasanlagen neu ans Netz gegangen sein. Für 2017 erwartet der Fachverband eine ähnlich niedrige Zahl. Zum Großteil sind es Güllekleinanlagen mit einer elektrischen Leistung von maximal 75 Kilowatt. Zusammen mit den getätigten Anlagenerweiterungen im Rahmen der Flexibilisierung sind 2016 knapp 150 Megawatt (MW) installiert worden. Davon allerdings nur gut 10 MW arbeitsrelevant, also Leistung, die tatsächlich regelmäßig Strom erzeugt. Rechnet man die Stilllegungen von Biogasanlagen hinzu tendiert der Zuwachs gegen Null.

Dabei gewinnen flexible Biogasanlagen für die Versorgungssicherheit im Stromnetz zunehmend an Bedeutung. Und erfüllen damit den von der Politik formulierten Auftrag für diesen speicherbaren Energieträger. Diese Leistung wird aktuell aber nur ansatzweise von den Strommärkten honoriert. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, die fossilen Überkapazitäten zeitnah zu reduzieren. „Nur über den Rückbau alter fossiler Kraftwerke wird es gelingen, Preise an der Strombörse zu erzielen, die sich rechnen. Gleichzeitig könnten die Stärken flexibler Kraftwerke - und damit auch von Biogasanlagen - finanziell honoriert werden“, erläuterte Seide.

„Allein über den Verkauf von Strom werden sich Biogasanlagen langfristig trotzdem nicht finanzieren lassen“, ergänzte der Verbandspräsident. Er forderte, dass endlich auch die vielen weiteren klimarelevanten Vorteile von Biogas eingepreist werden. Vor allem in der Landwirtschaft leisten Biogasanlagen einen großen Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasen. Durch die Vergärung von Gülle in Biogasanlagen wird das klimarelevante Gas Methan, das sonst in Güllebehältern unkontrolliert in die Atmosphäre entweicht, in Strom und Wärme umgewandelt. Das nach der Vergärung anfallende Gärprodukt ist darüber hinaus ein wertvoller Dünger, der auf die Felder ausgebracht den Nährstoffkreislauf schließt. „Deutschland muss als Vorreiter im Klimaschutz die Pariser Verträge erfüllen!“ forderte Seide. Biogas könne hierzu einen wertvollen Beitrag leisten.

Ebenso im bislang stiefmütterlich behandelten Wärmemarkt. Eine aktuelle Studie des Fachverbandes Biogas belegt, dass viele Biogasanlagen schon heute an ein sinnvolles Wärmekonzept angeschlossen sind – und dass rund drei Viertel der Befragten über einen Ausbau oder Einstieg in die Wärmenutzung nachdenken. „Hier liegt ein großes Potenzial, um endlich auch mit der erneuerbaren Wärmewende voranzukommen“, unterstrich Seide. Dafür müsste die Wärme aus Biogasanlagen entsprechend entlohnt werden – und nicht wie bislang mit einem Durchschnittspreis von 2,6 Cent je Kilowattstunde.

„Wenn die zahlreichen klimarelevanten Leistungen von Biogas finanziell eingerechnet würden, könnten die Anlagen zu sehr viel besseren Konditionen betrieben werden – und der Markt käme wieder in Schwung“, ergänzte der Vizepräsident des Fachverbandes Biogas, Hendrik Becker. Eine Grundvoraussetzung hierfür sei ein schlagkräftiger Klimaschutzplan, den Becker von der Bundesregierung fordert. „In einem für den internationalen Klimaschutz immer weniger verlässlichen politischen Umfeld ist es wichtig, dass wir hier unseren Beitrag leisten und die Biogastechnologie in die Welt exportieren.“ Momentan könnten viele Unternehmen nur über die gestiegene Nachfrage aus dem Ausland überleben. Die jedoch, berichtete Becker, ist nach wie vor groß. „Biogas made in Germany“ sei weltweit stark nachgefragt. Die Mitarbeiter des Referats Internationales im Fachverband Biogas waren allein 2016 in mehr als 20 Ländern unterwegs.

Um die Entwicklung der Biogasnutzung weltweit voranzubringen wurde im Anschluss an die Pressekonferenz der Kooperationsvertrag zwischen dem Fachverband Biogas und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH unterzeichnet. Nach 2011 und 2014 ist dies bereits die dritte Verlängerung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Organisationen. Gemeinsam wollen sie die Nutzung der Biogastechnologie speziell in Entwicklungs- und Schwellenländern über Trainings, Veranstaltungen, Fachgespräche und Projekte fördern mit dem Ziel, die Rahmenbedingungen in den jeweiligen Ländern zu verbessern und darüber den Bau von Biogasanlagen voranzubringen.

Ein wesentliches Element ist hierbei der Themenkomplex Sicherheit auf Biogasanlagen. Aus diesem Grund hat der Fachverband Biogas mit Unterstützung von insgesamt sieben Vorhaben der GIZ, darunter insbesondere die Projekte „Nachhaltige Energie für Ernährung – Powering Agriculture“ und „Energetische Nutzung städtischer Abfälle in Mexiko“ die englischsprachige Broschüre „Safety First! Guidelines for the safe use of biogas technology“ pünktlich zur BIOGAS Convention herausgegeben. Das 68-seitige Heft richtet sich sowohl an Betreiber als auch an Hersteller, Planer, Serviceunternehmen und politische Entscheidungsträger. Beschrieben werden verschiedene Gefährdungsarten auf Biogasanlagen und die daraus abzuleitenden Schutzmaßnahmen – sowohl technisch wie auch organisatorisch und personenbezogen. Die Broschüre wird ab 2017 auch in Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Indonesisch vorliegen – und kann unter der Webseite
www.biogas-safety.com heruntergeladen werden.